Strom, Wasser, Telefon, Radio
Ober-Roden befand sich in den 20er- und 30er-Jahren in einem Übergangsstadium zwischen traditioneller Selbstversorgung und moderner Infrastruktur. Es gab in Ober-Roden etwa 100 Brunnen für rund 3.000 Einwohner. Der Weg zum nächsten Brunnen war meist nicht weit, dennoch war das Heranschaffen des Wassers ins Haus beschwerlich. Ab 1930 begann der Aufbau einer zentralen Trinkwasserversorgung, doch dauerte es noch mehrere Jahre, bis jedes Haus über einen Wasseranschluss verfügte. Mit dem Bau der Abwasserkanalisation wurde erst in den 1950er-Jahren begonnen.
Üblich war das Plumpsklo: ein kleines Holzhaus im Hof oder neben dem Stall, mit einer Grube ohne Spülung. Gerüche, Fliegen und Ungeziefer gehörten zum Alltag. Die Gruben mussten regelmäßig geleert werden; der Inhalt wurde häufig als Dünger auf den Feldern genutzt, was zwar praktisch, aber gesundheitlich riskant war. Besonders im Winter war der Gang zum Plumpsklo unangenehm, weshalb viele Haushalte Nachttöpfe verwendeten. Ein richtiges Badezimmer gab es nicht; gewaschen wurde sich meist am Waschbecken in der Küche. Das wöchentliche Baden war für viele ein besonderes Ereignis: Ein großer Zuber wurde gefüllt, und die Familie badete nacheinander im selben Wasser.
Die Elektrifizierung Ober-Rodens begann 1925, sodass in den 1930er-Jahren viele Wohn- und Geschäftsgebäude bereits über einen Stromanschluss verfügten. Elektrisches Licht ersetzte nach und nach Petroleum- und Karbidlampen.
Auch die ersten Telefonanschlüsse entstanden bereits in den 1920er-Jahren; dennoch blieb ein privater Anschluss in den 1930er-Jahren die Ausnahme. Telefone fanden sich vor allem in größeren Betrieben, Gasthäusern oder bei wohlhabenderen Familien.
Ab Ende der 1920er-Jahre erreichte das Radio schrittweise auch den ländlichen Raum, zunächst mit eingeschränktem Empfang und wenigen Geräten. In den 1930er-Jahren verbreitete es sich deutlich stärker, unterstützt durch staatliche Förderung. Das Radio wurde gezielt als Propagandainstrument genutzt; der Volksempfänger ermöglichte durch seinen niedrigen Preis vielen Haushalten den Zugang zum Rundfunk. Bis Ende der 1930er-Jahre besaß ein Großteil der Haushalte ein Radiogerät.