Kinderschule in Ober-Roden 1930
mit Rosel (3. Kind von rechts, 2. Reihe von oben)
und Jaky Hecht (2. Kind von links, 2. Reihe von unten)
Kinnerschul
Um 1900 wurde in Ober-Roden durch die Schwestern der Göttlichen Vorsehung ein Kindergarten gegründet. Zu Rosels Zeit befand sich diese sogenannte „Kinnerschul“ in den Räumen des heutigen Forums, das damals als „Schwesternhaus“ bezeichnet wurde.
Die Hauptaufgabe der Einrichtung bestand weniger in einer fortschrittlichen oder altersgerechten frühkindlichen Förderung, sondern vor allem in der Beaufsichtigung der Kinder. Viele Mütter waren tagsüber stark in Anspruch genommen, sei es durch die Arbeit im bäuerlichen Betrieb, auf den Feldern oder als Fabrikarbeiterinnen, um zum kargen Familienverdienst beizutragen. Der Kindergarten erfüllte daher in erster Linie eine soziale und praktische Funktion, indem er die Betreuung der Kinder sicherstellte.
Der erzieherische Schwerpunkt lag auf den Werten Gehorsam, Frömmigkeit, Sauberkeit und Respekt gegenüber den Eltern. Diese Leitbilder entsprachen dem damaligen gesellschaftlichen und religiösen Verständnis von Kindererziehung. Die angewandten Methoden waren aus heutiger Sicht teilweise drastisch und reichten bis zu Maßnahmen wie dem Anbinden am Stuhl oder dem Zukleben des Mundes, um Disziplin und Ruhe durchzusetzen. Erst Mitte der 1960er-Jahre wurden die Nonnen nach und nach durch „gelernte“ Erzieherinnen ersetzt.
Rosel und Jaky besuchten als jüdische Kinder um 1930 beide die katholische Kinnerschul in Ober-Roden.