Feste und Vereinsleben
Kirchliche Feste, Vereinsjubiläen sowie private Feiern – allen voran Hochzeiten – waren herausragende Ereignisse im dörflichen Gesellschaftsleben und wurden entsprechend ausgiebig begangen. Nahezu jeder Einwohner gehörte mindestens einem Musik-, Gesangs- oder Sportverein an und war damit fest in das soziale Gefüge eingebunden. Bei Hochzeiten kamen regelmäßig zwei Großfamilien zusammen – nicht selten war damit sprichwörtlich „der halbe Ort“ beteiligt.
Die Feierlichkeiten begannen häufig bereits am Vorabend: Eine der Musikkapellen spielte auf dem Marktplatz und leitete so das Fest offiziell ein. Der eigentliche Festtag startete mit einem Gottesdienst, dem sich am Nachmittag ein Festumzug anschloss. An diesem nahmen nicht nur die Mitglieder des jubilierenden Vereins teil, sondern vielfach auch Abordnungen anderer Vereine.
Die Musikvereine sorgten für die musikalische Begleitung; angeführt wurde der Umzug von den sogenannten „Festdamen“. Dabei handelte es sich um junge, unverheiratete Frauen, die selbst oder deren Eltern dem jeweiligen Jubiläumsverein angehörten.
Im Anschluss wurde im Festzelt weitergefeiert, das eigens auf dem Vereinsgelände oder in dessen Nähe errichtet wurde und als zentraler Treffpunkt diente.
Seit seinem 20-jährigen Stiftungsfest im Jahr 1928 richtet der Musikverein Viktoria 08 das alljährlich an Fronleichnam stattfindende, mehrtägige „Waldfest am Schillerwald“ aus. Während es ursprünglich vor allem von katholischen Vereinen geprägt war, steht das Fest heute allen Vereinen und der gesamten Bevölkerung offen.