Feldarbeit und Faselstall
In den 1920er- und 1930er-Jahren besaß in Ober-Roden fast jede Familie ein oder mehrere kleine Feldstücke. Dabei handelte es sich meist nicht um zusammenhängende Flächen, sondern um ungünstig geschnittene Langstreifenfluren, deren Bewirtschaftung besonders mühsam war. Die einzelnen Äcker lagen an unterschiedlichen Stellen der Gemarkung, sodass allein die Wege zu den Feldern viel Zeit und Kraft erforderten.
Die Böden waren überwiegend karg und sandig; eine geregelte Bewässerung war kaum möglich. Entsprechend gering fielen die Erträge aus, was die Arbeit umso arbeitsintensiver machte. Die gesamte Familie, einschließlich der Kinder, war in die Feldarbeit eingebunden; Mithilfe war selbstverständlich und notwendig, um die Versorgung zu sichern.
Zur Eigenversorgung gehörte auch die Haltung von Schweinen, Ziegen, Hühnern und Hasen. Meist wurden ein oder zwei Schweine mit Küchenabfällen und Feldfrüchten gemästet und im Herbst geschlachtet, um Fleisch und Fett für das ganze Jahr haltbar zu machen. Ziegen lieferten täglich Milch und galten als genügsame „Kuh des kleinen Mannes“.
Für die Nachzucht stand der gemeindeeigene Faselstall zur Verfügung, da sich nur wenige Familien einen eigenen Zuchteber oder Ziegenbock leisten konnten. Die gemeinschaftliche Nutzung sorgte für eine geregelte Fortpflanzung der Tiere und war fester Bestandteil der dörflichen Wirtschaftsorganisation. Hühner steuerten Eier und gelegentlich Fleisch bei, Kaninchen waren wegen ihres geringen Platz- und Futterbedarfs eine wichtige und kostengünstige Fleischquelle.
Insgesamt war die Tierhaltung streng in den Alltag eingebunden, erforderte tägliche Arbeit und beruhte auf gegenseitiger Hilfe, festen Regeln und überliefertem Wissen innerhalb der Dorfgemeinschaft.
Exemplarisch besaß die Familie Kahn/Hecht mindestens drei Grundstücke: rund 2.000 Quadratmeter Ackerland am Lerchenberg (heute Waldacker), etwa 1.000 Quadratmeter Grünland in der Birkenwiese (Gebiet jenseits der TS) sowie einen rund 150 Quadratmeter großen Garten im Gassengarten (heute …). Diese Aufteilung verdeutlicht die für Ober-Roden typische kleinteilige und verstreute Besitzstruktur.