Elternhaus, Nachbarn
Das Haus der letzten jüdischen Familie in Ober-Roden, der Familie Kahn/Hecht, war ein kleines Gebäude in der Frankfurter Straße 17. Der Schuhladen nahm die gesamte Breite des Erdgeschosses zur Straße hin ein. Hinter dem Verkaufstresen gelangte man in die nach hinten gelegene Wohnküche.
Zwischen den beiden Räumen führte eine Treppe in den ersten Stock mit den Schlafräumen. Es handelte sich dabei um höchstens vier kleine Zimmer. Zeitweise lebten dort die Großmutter Frieda Kahn, Rosels Onkel Ludwig Kahn sowie die Eheleute Berta und Salomon Hecht mit ihren Kindern Rosel und Jaky.
Auf der rechten Seite des Hauses befand sich ein kleiner Hof, der an das Anwesen der direkten Nachbarn grenzte, den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Schallmayer. Man war sich wohlgesonnen und half sich gegenseitig aus. Nach dem Krieg lebte die Freundschaft zwischen Jaky, dem einzigen Überlebenden der Familie Hecht, und den Schallmayers wieder auf.
Auf der anderen Seite des Hauses betrieb die Familie Viktor Schrod ab dem Jahr 1929 die Gaststätte „Zum Adler“ mit eigener Schlachterei. Direkt gegenüber dem Schuhgeschäft lag die Metzgerei Karl Schrod, aus der Rosels „beste Freundin“ Else Faust stammte. Von systematischen Streitereien und Anfeindungen zwischen christlichen und jüdischen Einwohnern ist bis Anfang der 1930er Jahre nichts dokumentiert.