Beruf und Eisenbahn
Bereits 1894 wurde die Rodgaubahn von Offenbach nach Ober-Roden gebaut und innerhalb von weniger als zwei Jahren fertiggestellt. 1905 kam mit der Dreieichbahn eine zweite Bahnstrecke hinzu. Damit verfügte Ober-Roden über zwei leistungsfähige Verkehrsverbindungen, die das Dorf am Rand des Odenwalds mit den Industrie- und Arbeitszentren der Region verbanden. Erstmals wurde es realistisch, täglich oder wöchentlich in Frankfurt, Offenbach oder anderen Industriestädten zu arbeiten.
Seine größte Ausdehnung erreichte das Bahngelände bereits in den 1930er-Jahren. Entsprechend hoch war der Personalbedarf: Neben zahlreichen einfachen Bahnmitarbeitern waren auch viele Beamte des mittleren und gehobenen Dienstes beschäftigt. In den Straßen rund um den Bahnhof entstanden gezielt Wohnhäuser und Mietwohnungen für Bahnbedienstete, wodurch sich ein eigenes, vom Eisenbahnwesen geprägtes Wohnmilieu entwickelte.
Aufgrund seiner Größe und verkehrlichen Bedeutung wurde der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg Ziel alliierter Luftangriffe. Besonders der Angriff vom 18. März 1945 machte die Anlagen nahezu unbenutzbar.
Unabhängig davon war die Berufsstruktur Ober-Rodens in den 1930er-Jahren – wie in vielen ländlichen und kleinstädtischen Gemeinden – weiterhin stark von Landwirtschaft, Handwerk (Schmiede, Sattler, Schuhmacher, Müller, Bauhandwerk) und kleinen lokalen Dienstleistungsbetrieben geprägt. Lebensmittel, die nicht selbst erzeugt wurden, kaufte man beim Bäcker, Metzger oder im Kolonialwarenladen.
Viele Männer arbeiteten bereits als Tages- oder Wochenpendler in Frankfurt und Offenbach, etwa in der Leder-, Gummi- oder Metallindustrie oder beim Automobilhersteller Opel in Rüsselsheim. Die Frauen waren überwiegend für Haushalt, Kinder, Viehhaltung und Feldarbeit zuständig und trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität der Familien bei.
Die Weltwirtschaftskrise führte zu Beginn der 1930er-Jahre häufig zu prekären Lebensverhältnissen. Ab 1932 setzte jedoch eine allmähliche wirtschaftliche Erholung ein. Nach 1933 verstärkte das NS-Regime diesen Aufschwung kurzfristig durch Arbeitsbeschaffungsprogramme, statistische Effekte und massive Staatsverschuldung, ohne eine tragfähige Grundlage zu schaffen. Der entscheidende wirtschaftliche Impuls ging von der systematischen Aufrüstung aus – einer Politik, die nur durch Krieg finanzierbar war.