Arzt und Apotheke
Einen eigenen Arzt erhielt Ober-Roden erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit Dr. Heinrich Sturm. Bis dahin war die medizinische Versorgung vergleichsweise umständlich, und in dringenden Fällen mit erheblichem Zeitaufwand verbunden. Bei schweren Erkrankungen oder Verletzungen musste der Arzt aus Dietzenbach gerufen werden. Dieser kam – sofern Witterung und Wege es zuließen – mit der Kutsche, der sogenannten „Breck“ (eigentlich Break), einer kleinen, gefederten Postkutsche, die von einem Pferd gezogen wurde.
Die vom Arzt verordneten Medikamente waren ebenfalls nicht vor Ort erhältlich. Da es in Ober-Roden keine eigene Apotheke gab, mussten die Arzneien in Urberach bei der Apotheke Esser besorgt werden – häufig durch Angehörige oder Nachbarn.
In weniger schweren Krankheitsfällen übernahmen die Schwestern der Göttlichen Vorsehung den Krankendienst. Sie verfügten in der Regel über eine pflegerische und medizinische Grundausbildung sowie über praktische Erfahrung in der Krankenpflege. Neben der Betreuung der Kranken kannten sie sich auch mit bewährten Heilmitteln und Hausrezepturen aus. Salben, Tinkturen oder Pulver wurden auf ihre Anweisung hin beim „Berker“ in der Schulstraße 8 bestellt und dort frisch gemischt. Dieses Geschäft, eine Kombination aus Kolonialwarenladen und Drogerie, spielte eine wichtige Rolle in der medizinischen Grundversorgung des Ortes.